Tuesday, August 12, 2008

Timing ist alles!

Im Mai diesen Jahres war ich zum ersten Mal bei HotDocs, einem kleinen aber feinen Dokumentarfilm-Festival in Toronto. Jesus Loves You wurde im Rahmen des Festivals gezeigt und als Regisseurin nahm ich gerne die Gelegenheit wahr, nach Kanada zu fahren.
Ich hatte schon viel ueber HotDocs gehoert und tatsaechlich ist es ein Festival, dass ich Dokumentarfilm-Regisseuren und Liebhabern sehr empfehlen kann. Die Auswahl der Filme ist grossartig, das Publikum in Toronto interessiert sich sehr fuer die gezeigten Filme und die intime Atmosphaere laedt dazu ein, mit Filmemachern, Redakteuren und interessierten Zuschauern zu diskutieren und zu feiern. Und selbst in Kananda trifft man immer wieder auf bekannte Gesichter - die Doku-Szene ist eben letztlich klein...
Toll war es auch, Jesus Loves You auf einer grossen Kino-Leinwand zu sehen. Schon im Vorfeld waren Co-Regisseur Robert Cibis ich sehr gespannt auf die Reaktionen des kanadischen Publikums. Auf der Berlinale im Feburar 2008 stellte das Publikum sehr kritische Fragen: Jeder wollte wissen ob wir, die Regisseure, auch religioes seien. Radikale Christen, die waehrend der Fussball WM in Deutschland einen missionarischen Grosseinsatz durchfuehren, sind den meisten West-Europaeren eben eher suspekt. 

Waehrend der Vorfuehrung bei HotDocs fiel mir direkt auf, dass das kanadische Publikum an komplett anderen Stellen lachte als das deutsche Publikum. Und waehrend der Q&A nach dem Film wurde sehr schnell klar, dass die Kanadier viel weniger Probleme mit evangelikalen Missionaren und religioeser Mission an sich haben. Nicht nur in den USA, auch in Kanada gibt es viel mehr Freikirchen als in Deutschland. Insgesamt hatte den Eindruck, dass sich das kandische Publikum vor allem fuer das Aufeinandertreffen sehr unterschiedlicher Kulturen interessierte und begeisterte. 

Mir persoenlich gefiel auf dem HotDocs Festival auch die Lounge fuer Filmemacher, Redakteure und Weltvertriebsagenten sehr gut (die sogenannte Delegates Lounge). Eine kanadische Produzentin wahr so grosszuegig, mich bei sich unterzubringen.  Ihr adrettes Haus mit Garten lag allerdings nicht gerade im Zentrum von Toronto, so dass ich den Grossteil meiner Zeit zwischen den Filmvorfuehrungen in der Delegates Lounge verbrachte. Mit WIFI und kleinen Cafe-Tischen ausgestattet, entfaltete sich hier eine rege Verkaufstaegigkeit und man traf auf alte Bekannte und viele spannende neue Leute. Und ohne die Delegates Lounge haette ich auch nicht Cynthia Close getroffen und unser Projekt ' Die geteilte Bruecke'  ueber die Geburt eines neuen Staates im Kovovo, haette vielleicht bis heute keinen steuerrechtlichen Sponsor.

Ich ware gerade dabei, meine E-Mails zu checken, als ich aufguckte und eine nette blonde Dame sah, die ein wenig verloren im Raum stand. Spontan bot ich ihr einen freien Stuhl an meinem Tisch an, dem einzigen freien Platz im Raum. Natuerlich begannen wir nach einer Weile zu quatschen und Cynthia fragte mich: "Was oder Wer ist Raisin Bomber?" Als ich ihr die Bedeutung unseres Namens erklaerte und dass mein Vater eines der Berliner Kinder war, die sehnsuechtig auf die amerikanischen Suessigkeiten warteten, die in kleinen Paeckchen vom Himmel fielen, wurde Cynthia fuer einen Moment ganz still.  Und dann sagte sie nachdenklich: "Und mein Vater war einer der Piloten, die keine Suessigkeiten, sondern Bomben auf Berlin warfen." Zuerst dachte ich: Was fuer ein Zufall! Aber ein wenig spaeter wurde mir bewusst, dass dies kein Zufall war, sondern eine Erinnerung daran, dass selbst die schrecklichsten historischen Momente letztlich zu Freundschaften fuehren koennen. Und dass wir Deutschen dazu neigen, zu vergessen wiviele Amerikaner letztlich von Deutschen abstammen. Bevor ich begann viel Zeit in den USA zu verbringen, war auch mir nicht bewusst, dass Amerikaner mit deutscher Abstammung auch heute noch die groesste ethnische Gruppe der USA darstellen. Daher wahrscheinlich auch die grosser Leidenschaft der Amis fuer fettiges Essen, Wuerste und deutsches Bier....nein, nein das meine ich natuerlich nicht ernst ... die Tante hat nur einen Spass gemacht...

Im Verlauf des Gespraechs sprach ich mit Cynthia auch ueber unsere Filmprojekte. Ich erzaehlte ihr von 'Die geteilte Bruecke' und bemerkte eher nebenbei, dass wir gerade auf der Suche nach einem steuerrechtlichen Sponsor seien. Und erst dann beschrieb mir Cynthia das Sponsoren-Programm ihrer Organisation (Documentary Educational Resources).  In den USA ist es sehr wichtig, fuer einen jeden unabhaengigen Film den man produziert, einen sogenannten steuerrechtlich Sponsor zu finden. Nur so ist man zum Beispiel in der Lage, Gelder von Stiftungen oder privaten Investoren zu erhalten. Das ist hier ganz anders als in den Deutschland und das haengt auch damit zusammen, dass viele der Dokumentarfilme mit den Geldern privater Sponsoren produziert werden.

Ich hatte schon von Documentary Educational Resources gehoert und wusste, dass DEA ein bekannter Weltvertrieb fuer Dokumentarfilme ist. Aber ich hatte keine Ahnung, dass der Weltvertrieb auch als steuerrechtlicher Sponsor fuer Dokus agiert. 
Die anregenden Diskussion mit Cynthia Close und die Reputation ihrer Organisation ueberzeugten uns davon, dass DEA der ideale steuerrechtliche Sponsor fuer unser Projekt waere. DEA unterstuetzt vor allem begleitende Dokumentarfilme und Filmemacher mit einer objektiven Herangehensweise. Gerade fuer unser Kosovo-Projekt ist uns das sehr wichtig, da es uns darum geht, die Komplexitaet der Situation darzustellen. 
Natuerlich gibt es viele Filme, die geradezu davon leben, dass der Filmemacher eine bestimmte Perspektive einnimmt, aber fuer 'Die geteilte Bruecke' scheint das einfach nicht zu passen. Soviele Konflikte, soviele verschiedene Meinungen und nun der Versuch, die juengste Demokratie in Europa aufzubauen - da ist man geradezu verplichtet, den unterschiedlichsten Erfahrungen eine Stimme zu geben.

Tja, so fuehrt eine Zufallsbekanntschaft zu einem steuerrechtlichem Sponsor....Wir freuen uns sehr darueber, dass DEA unser Projekt sponsort und danken Cynthia und allen anderen fuer die Unterstuetzung von 'Die geteilte Bruecke."

Und natuerlich weiss ich, dass es in Deutschland (noch) nicht ueblich ist, Filme mit Spenden zu unterstuetzen, aber falls Sie sich doch dazu aufgerufen fuehlen sollten, dann Klicken Sie hier